evangelische Religion am
Ostalb-Gymnasium

„Wer glaubt, flieht nicht vor der Welt, sondern stellt sich ihr.“
Dietrich Bonhoeffer

Das Fach Evangelische Religionslehre eröffnet Schülerinnen und Schülern am Ostalb-Gymnasium Bopfingen einen Raum, in dem grundlegende Fragen des Lebens, des Glaubens, der Verantwortung und des Zusammenlebens zur Sprache kommen. Im Mittelpunkt stehen Fragen, die junge Menschen unmittelbar betreffen: Wer bin ich? Was gibt meinem Leben Sinn? Was bedeutet Hoffnung? Wie gehen wir mit Schuld, Leid, Angst, Glück, Freiheit und Verantwortung um? Und welche Orientierung können christlicher Glaube, biblische Texte und religiöse Traditionen heute geben?

Auf Grundlage des Bildungsplans Baden-Württemberg hilft der Evangelische Religionsunterricht, die religiöse Dimension des Lebens zu erschließen. Er eröffnet einen eigenen Zugang zur Welt und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum allgemeinen Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule. Zugleich macht der Bildungsplan deutlich, dass sich soziales, politisches und kulturelles Leben in Deutschland, Europa und der Welt ohne Kenntnis religiöser Wurzeln nicht angemessen verstehen lässt.

Der Evangelische Religionsunterricht ist dabei ein ordentliches Unterrichtsfach, das in Baden-Württemberg von Staat und Kirche gemeinsam verantwortet wird. Als konfessionell geprägter Unterricht steht er zugleich im Dialog mit anderen Konfessionen, Religionen, Weltanschauungen und persönlichen Überzeugungen. Er lädt Schülerinnen und Schüler dazu ein, eigene Fragen zu stellen, unterschiedliche Sichtweisen wahrzunehmen und begründet über Glauben, Werte und Lebensgestaltung nachzudenken.

Die prozessbezogenen Kompetenzen des Bildungsplans gliedern sich in Wahrnehmungs- und Darstellungsfähigkeit, Deutungsfähigkeit, Urteilsfähigkeit, Dialogfähigkeit und Gestaltungsfähigkeit. Schülerinnen und Schüler lernen also, religiöse und ethische Fragen wahrzunehmen, Symbole, Texte und Traditionen zu deuten, eigene Urteile zu entwickeln, mit anderen respektvoll ins Gespräch zu kommen und ihre Einsichten in persönlichen, schulischen oder gesellschaftlichen Zusammenhängen zu gestalten.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Wahrnehmungs- und Darstellungsfähigkeit. Schülerinnen und Schüler lernen, Situationen zu erkennen, in denen Fragen nach Sinn, Verantwortung, Schuld, Hoffnung, Gerechtigkeit oder Gott aufbrechen. Sie nehmen religiöse Ausdrucksformen wie Symbole, Rituale, Feste, Räume, Geschichten und Bilder wahr und lernen, diese in ihren jeweiligen Zusammenhängen zu beschreiben und einzuordnen.

Die Deutungsfähigkeit wird vor allem im Umgang mit biblischen Texten, christlichen Traditionen und religiösen Ausdrucksformen gestärkt. Schülerinnen und Schüler lernen, biblische Geschichten nicht nur nachzuerzählen, sondern ihre Bedeutung für menschliche Erfahrungen und gegenwärtige Fragen zu erschließen. Dabei geht es um Themen wie Vertrauen, Befreiung, Schuld, Vergebung, Nächstenliebe, Gerechtigkeit, Hoffnung und die Frage nach Gott.

Ebenso wichtig ist die Urteilsfähigkeit. Im Religionsunterricht setzen sich Schülerinnen und Schüler mit ethischen Fragen auseinander und lernen, religiöse und moralische Positionen begründet zu beurteilen. Dazu gehören Fragen des persönlichen Lebens ebenso wie gesellschaftliche Herausforderungen: Umgang mit Vielfalt, Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung, Verantwortung für andere, Umgang mit Leid und Tod sowie die Frage, wie Menschen in Konflikten verantwortungsvoll handeln können.

Die Dialogfähigkeit ist ein zentraler Bestandteil des Faches. Evangelische Religionslehre fördert die Bereitschaft, eigene Überzeugungen auszusprechen, andere Perspektiven ernst zu nehmen und respektvoll mit unterschiedlichen religiösen, weltanschaulichen und persönlichen Haltungen umzugehen. Gerade in einer pluralen Gesellschaft leistet das Fach damit einen wichtigen Beitrag zu Toleranz, Empathie, Friedensfähigkeit und Demokratiebildung.

Inhaltlich arbeitet der Bildungsplan mit den Bereichen Mensch, Welt und Verantwortung, Bibel, Gott, Jesus Christus, Kirche und Kirchen sowie Religionen und Weltanschauungen. Diese Themen begleiten die Schülerinnen und Schüler über mehrere Jahrgangsstufen hinweg und werden altersangemessen vertieft.

Im Bereich Mensch geht es um Identität, Selbstwert, Beziehungen, Freiheit, Grenzen und Verantwortung. Schülerinnen und Schüler setzen sich mit sich selbst und anderen auseinander und fragen danach, was den Menschen aus christlicher Sicht ausmacht. Dabei wird deutlich, dass jeder Mensch Würde besitzt und auf Anerkennung, Schutz und Gemeinschaft angewiesen ist.

Der Bereich Welt und Verantwortung verbindet religiöse Bildung mit ethischem Handeln. Schülerinnen und Schüler untersuchen beispielsweise die Bedeutung biblischer Texte für ein gerechtes Zusammenleben, setzen sich mit der Deutung der Welt als Schöpfung auseinander und entwickeln Beispiele für faires und nachhaltiges Handeln. Damit leistet das Fach einen wichtigen Beitrag zur Bildung für nachhaltige Entwicklung und zur Frage, wie Verantwortung konkret gelebt werden kann.

Im Bereich Bibel lernen die Schülerinnen und Schüler die Bibel als grundlegendes Zeugnis christlichen Glaubens kennen. Sie erschließen biblische Texte in ihren historischen, literarischen und religiösen Zusammenhängen und fragen zugleich nach ihrer Bedeutung für Gegenwart und eigenes Leben. Dadurch werden Textverständnis, Symbolverständnis und religiöse Sprachfähigkeit gestärkt.

Die Themen Gott und Jesus Christus eröffnen Raum für existenzielle Fragen: Wie sprechen Menschen von Gott? Warum glauben Menschen? Warum zweifeln Menschen? Was bedeutet Vertrauen? Welche Hoffnung verbindet sich mit dem christlichen Glauben? Und welche Bedeutung hat Jesus Christus für christliche Ethik, Menschenbild und Lebensdeutung?

Im Bereich Kirche und Kirchen lernen Schülerinnen und Schüler christliche Traditionen, Feste, Formen gelebten Glaubens sowie die Vielfalt kirchlichen Lebens kennen. Sie setzen sich mit der Rolle von Kirche in Geschichte und Gegenwart auseinander und fragen danach, welchen Beitrag Religion für Gemeinschaft, Orientierung, Hilfe und Verantwortung leisten kann.

Der Bereich Religionen und Weltanschauungen fördert interreligiöses und weltanschauliches Lernen. Schülerinnen und Schüler begegnen anderen religiösen Traditionen und nichtreligiösen Weltdeutungen, vergleichen Sichtweisen und lernen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede respektvoll wahrzunehmen. So wird religiöse Bildung zu einem Beitrag für Verständigung in einer vielfältigen Gesellschaft.

Evangelische Religionslehre leistet zudem einen wichtigen Beitrag zur Medienbildung. Religiöse, ethische und weltanschauliche Fragen begegnen Jugendlichen heute auch in sozialen Medien, Filmen, Serien, Musik, Nachrichten und digitalen Debatten. Im Unterricht lernen sie, Darstellungen von Religion, Sinn, Moral und Identität kritisch zu betrachten und eigene Positionen verantwortungsvoll zu formulieren.

So verbindet Evangelische Religionslehre am OAG religiöse Bildung, ethische Orientierung, Persönlichkeitsentwicklung, Dialogfähigkeit, Demokratiebildung, Nachhaltigkeit und kulturelles Verständnis. Das Fach begleitet Schülerinnen und Schüler dabei, eigene Fragen ernst zu nehmen, andere Perspektiven zu achten und verantwortungsvoll über Glauben, Leben und Zusammenleben nachzudenken.

Unsere Lehrkräfte

Julia Fauth
(FAU)

Fachvorsitzende

Pfarrer Nicolai Gießler
(GIE)

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